(v.l.) Thomas Pfeffer, Walter Spenger, Artur Kolbe, Prof. Dr. Dieter J. Weiß, Kreisvorsitzender Thomas Mittermeier, Geschichtsvereinsvorsitzender Dr. Ernst Schütz, Pfarrer Emanuel Hartmann, Maria Maier und Fritz Gößwein. Foto: Maria Meier

Deggendorf: Bayernbund-Kreisversammlung mit Vortrag von LMU-Landeshistoriker Professor Dr. Weiß

Am 22. April fand im Gasthof Höttl in Deggendorf die erste Kreisversammlung des Bayernbunds nach dem Führungswechsel im vergangenen Jahr statt. Kreisvorsitzender Thomas Mittermeier konnte neben den Bayernbundmitgliedern, den Kreisvorstand, Ehrengast Prof. Dr. Dieter J. Weiß von der Ludwigs-Maximilians- Universität München, Pfarrer Emanuel Hartmann sowie als Neumitglied, den Vorsitzenden des Deggendorfer Geschichtsvereins, Dr. Ernst Schütz, begrüßen.

In seinem Arbeitsbericht über die Tätigkeiten und Veranstaltungen im Jahr 2018 zog Mittermeier eine positive Bilanz. „Anpacken, aufbauen und ansprechen“ sei die Losung im ersten Jahr der dreijährigen Amtszeit gewesen.

Nach den Neuwahlen am 05. Januar 2017 ging die Kreisvorstandschaft zügig daran den Kreisverband neu zu strukturieren, die Finanzen auf eine solide Grundlage zu stellen und für die Jahre 2017 und 2018 ein Veranstaltungsprogramm zu entwickeln, in dem die Eckpfeiler des Bayernbunds „Heimat, Herkunft, Identität und Zukunft“ nicht allein nur dargestellt werden, sondern aktuell, lebendig und zukunftsorientiert diskutiert werden können.

Mittermeier unterstrich, dass es weder darum gehe mit den Wölfen zu heulen, noch darum beispielsweise Tradition und Brauchtum unantastbar unter eine Glasglocke zu stellen. Es gehe darum im Bewahren behutsam voranzugehen, Veränderungen wahrzunehmen, diese anzusprechen und im Gespräch weiterzukommen. Aus diesem Grund legte der Kreisverband die Reihe „Christ-Sein heute“ auf, in der bereits im vergangenen Jahr mit Abt Wolfgang Maria Hagl in Metten die Frage nach der christlichen Identität in einer mehr und mehr haltlosen Zeit erörtert wurde.

Fortgesetzt wird die Reihe am 15. Juni diesen Jahres in der Abtei Niederaltaich. Die Veranstaltungsreihe „Zukunft unserer Region“ richtet hingegen den Blick auf die täglichen Lebensgrundlagen. Was ist Heimat im täglichen Leben? Woran wird gearbeitet, dass für die Menschen im Strudel der täglichen Unsicherheiten Heimat auch Heimat bleibt? Dies wurde in diesem Jahr mit OB Dr. Christian Moser ausführlich diskutiert. Ziel dieser Reihe wird es in den kommenden Jahren sein, in die Gemeinden des Landkreises zu gehen, ins Gespräch zu kommen und dort die ganz unterschiedlichen Perspektiven der Städte und Dörfer hervorzuheben.

Rund um die Landesversammlung des Bayernbunds, die in diesem Jahr nach Deggendorf kommt, wird es noch eine Kooperationsveranstaltung zur Jugendmundart mit dem Bund Bairische Sprache geben sowie im Dezember eine Veranstaltung zum Jubiläum 100 Jahre Freistaat Bayern – 200 Jahre Bayerische Verfassung. Mittermeier berichtete anschließend aus dem Landesvorstand und seiner Tätigkeit als Landesjugendbeauftragter.

Nach dem Kassenbericht attestierte Kassenprüfer Walter Spenger dem Kreisverband eine einwandfreie Kassenführung sowie eine gesunde wirtschaftliche Basis.

Nach der einstimmigen Entlastung des Kreisvorstands übergab Thomas Mittermeier das Wort an Prof. Dr. Dieter J. Weiß. Weiß ist Inhaber des Lehrstuhls für Bayerische Geschichte und Vergleichende Landesgeschichte und referierte in Deggendorf zum Thema „100 Jahre Freistaat Bayern – Ein Anlass zum Feiern? – Die Revolutionswirren 1918/1919“.

Weiß stellte den Verlauf der Revolution in Bayern sowie den im gesamten Deutschen Reich dar. Er beleuchtete den Aufstieg Kurt Eisners, den Aufschwung der Räteherrschaft sowie der rechten Gegenbewegung. Weiß würdigte auch die Situation der Gesellschaft allgemein und insbesondere der Münchener Bürger, die sowohl in politischer Unsicherheit, als auch in äußerster wirtschaftlicher Not die Revolutionsjahre erlebten. Prof. Weiß zog abschließend ein persönliches Fazit zur Frage, ob das Jahr 2018 als 100-jähriges Jubiläumsjahr ein Anlass zum Feiern ist. Aus seiner Sicht ist es das in erster Linie zur Feier von Demokratie und Parlamentarismus nicht.

Kurt Eisner war kein Demokrat und ihn als Vater der Demokratie in Bayern zu bezeichnen sei ein grundlegender Fehler. Zudem wird häufig die extreme wirtschaftliche Verheerung vergessen und vor allem die außerordentliche Polarisierung der Parteienlandschaft sowie deren Folgen.

Weiß schlug hingegen vor das Jahr 2021 zu begehen. Dort könne man insbesondere 75 Jahre Bayerische Verfassung als wahre Sternstunde bayerischer Demokratie und bayerischen Parlamentarismus feiern.

Anschließend an den Vortrag wurde noch rege diskutiert. Kreisvorsitzender Mittermeier schloss die Versammlung mit Hinweisen auf die kommenden Termine, dankte Prof. Weiß für seinen Vortrag und dem Kreisvorstand für die geleistete Arbeit.

(Thomas Mittermeier)