Bayernbund Rosenheim besucht auf Einladung des Tiroler Landeshauptmann Günther Platter die Baustelle des Brenner Basistunnels.

Besucher an der Baustelle des Brennerbasistunnel in Tirol

Wohl kein Vorhaben erregt derzeit die Gemüter im Landkreis Rosenheim so sehr, wie die Frage, wie der künftige Zulauf der Bahnstrecke zum Brennerbasistunnel gestaltet werden soll.

Der Kreisverband Rosenheim des Bayernbundes hat deshalb gerne die Einladung des Tiroler Landeshauptmanns Günther Plattner angenommen, sich selbst vor Ort ein Bild davon zu machen, wie weit die Arbeiten an diesem Jahrhundertprojekt bereits fortgeschritten sind.

Die Fahrtzeit von München nach Verona verkürzt sich durch den Brenner-Basistunnel von derzeit 5,5 Stunden auf 2,5 Stunden. Personenzüge können den Tunnel mit geplanten 250 km/h durchfahren. Auch wesentlich längere Güterzüge mit bis zu 700 m fahren mit ca. 120 km/h durch den fast ebenen Tunnel. Dies wird sicher zu einer Entspannung auf der chronisch verstopften Inntalautobahn führen.

Am Zenzenhof, der letzten Ausfahrt auf der Brennerautobahn vor der Europabrücke auf dem Weg nach Südtirol, wurden die Rosenheimer von Diplom-Ingenieur Michael Knapp, Bauloskoordinator der Brenner Basis Tunnel BBT SE freundlichst empfangen. Hier wird das Baulos zwischen Tulfes und Pfons gefertigt. Dort entsteht auch der spätere Nothalt Innsbruck.

 

Die BBT SE ist zu jeweils 50 Prozent in den Händen von Österreich und Italien. Finanziert wird das ca. 10 Mrd. €-Projekt zu je 30 Prozent aus beiden Ländern und zu 40 Prozent durch die Europäische Union.

Es werden zwei eingleisige Eisenbahntunnel mit einem Durchmesser von 8,1 m gebaut. Alle etwa 330 m sind Querschläge – Verbindungen zwischen den Röhren vorgesehen. Darunter verläuft mittig ein durchgehender Erkundungsstollen mit einem Durchmesser von 6 bis 8 Metern. Der ist zur Vorerkundung und Baulogistik sowie Entwässerung und Erhaltung notwendig.

 

Zunächst wurde der Rettungstunnel gebohrt, danach zwei parallellaufende Röhren auf 55 km für die Bahn. Die Bohrung erreicht etwa 15 Meter Vortrieb pro Tag.
Je nach Gestein wird entweder gesprengt oder gebohrt. Für die Bahnröhren ist eine eigene Bohrmaschine konstruiert worden. Die 200 Meter lange und 1.800 Tonnen schwere Maschine ist vor Ort aus 3 Teilen zusammengebaut worden. Der maximale Bohrdurchmesser ist 8,13 Meter. Sie hat eine Bohrkopfanpresskraft von fast 1.500 t. Die Verspannung an der seitlichen Wand drückt an zwei Grippern mit bis zu 5.500 t.

 

In Spitzenzeiten waren es 1.800 Arbeiter pro Schicht jetzt sind es circa 200 in der Baustelle beschäftigt.

Die fünf hauptsächlichen Gesteinsarten werden unterschiedlichst verwandt. Die für den Beton brauchbaren dienen zur Auskleidung der Tunnel. In den angrenzenden Deponien werden weiche Gesteine, wie Schiefer aufgeschüttet. Das sind auf österreichischer Seite etwa 17 Millionen m³. Dies entspricht etwa dem Volumen von 40.000 durchschnittlichen Einfamilienhäusern. Dadurch entstehen in den Seitentälern neue Flächen, die zu wertvollen Weideflächen für die Landwirtschaft werden.

Nach einer ausführlichen Sicherheitsschulung wurden die Teilnehmer der Besichtigung mit Sicherheitsstiefeln, Warnwesten, Helmen, Lampen und Notfallrucksäcken versorgt. Unser Fahrer war Karl-Heinz List, der mit viel Charme und Witz für die Gruppe eine beeindruckende Führung in die weltgrößte Tunnelbaustelle machte. Zuerst ging es zur Abraumhalde. Hier demonstrierte List die weichen Bündnerschiefer, die in den Seitentälern aufgeschüttet werden.

Dann fuhr die Gruppe mit Kleinbussen bei 12 % Gefälle 2,8 km vom Zenzenhof auf das Bahn-Tunnelniveau in den Berg ein.

 

Die riesige Röhre zu betreten war für alle Teilnehmer ein beeindruckendes Erlebnis.
Jeden Tag wird der Tunnel vermessen. Früher ist er 40 cm pro Tag gegangen. Wenn der Berg sich beruhigt hat, kann man den Tunnel fixieren. Überzeugend war die Genauigkeit, mit der die beiden Bauteams von Süden und Norden sich mit wenigen Zentimetern Abweichung an den Durchbruchstellen treffen.

Zum gemeinsamen Mittagessen im Theresien Bräu in Innsbruck bekamen wir hohen Besuch vom Bayernbundmitglied Dr. Josef Siegele aus dem Tiroler Landtag.

In drei Informationszentren in Innsbruck, Steinach am Brenner und Franzensfeste können Interessierte in die faszinierende Welt des Tunnelbaus eintauchen.
Weitere Infos im Internet unter: www.Tunnelwelten.com

(Bericht: Sebastian Hering)