Bayern braucht keinen Vergleich mit anderen Ländern zu scheuen, weder national, noch in Europa oder auch weltweit. Stabile politischeVerhältnisse, sozialer Friede, eine blühende Wirtschaft, geringe Kriminalität, ein funktionierendes dreigliedriges Schulsystem, Universitäten von Weltrang und eine vergleichsweise intakte Umwelt lassen Gedanken sprießen wie: „Leben und Arbeiten, wo andere Urlaub machen“.

Wir erleben aber auch, dass solche, verzeihen Sie die Plattitüde, „paradiesischen Verhältnisse“ Bedrohungen ausgesetzt sind: Bankenkrise, Staatsschuldenkrise, Griechenlandkrise, Flüchtlingskrise, Handelskriege, Dieselkrise, in den letzten zehn Jahren jagte eine große Krise die andere. Dies führte dazu, dass die Politik vor lauter Krisenmanagement die Lebensbedingungen der Menschen aus den Augen verloren hat, gleichzeitig aber auch die Krisen selbst nur zum Teil lösen konnte.

Unzufriedenheit bei vielen Menschen war die Folge. Damit war der Samen ausgebracht für das Erstarken der politischen Ränder.

Der Spitzenplatz Bayerns ist gefährdet

Unser Wohlstand in Bayern hängt in hohem Maße von Schlüsselindustrien wie dem Automobilsektor ab. Die Hälfte unserer gesamten Wirtschaftsleistung geht mit 192 Milliarden Euro in den Export, aktuell bedroht durch externe Einflüsse wie den BREXIT oder die Handelskriege mit und zwischen den USA und China. Der Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Lage hat in seiner jüngsten Prognose die Wachstumsrate für Deutschland auf 0,8 Prozent zurückgenommen. Diese Tendenz gilt nicht nur für uns, sondern auch für viele andere Länder. Das muss nachdenklich machen, denn dadurch geraten Arbeitsplätze und damit Wohlstand in Gefahr.

Gleichzeitig steigt die Sensibilität in unserer Gesellschaft für soziale Themen und Umweltfragen. Die Menschen melden sich zu Wort bei Pflegenotstand und Artensterben. Augenfällig wurde dies, als sich auf dem Münchener Marienplatz vor dem Rathaus schier endlose Schlangen von Menschen bildeten, die sich in das Bürgerbegehren „Rettet die Bienen“ eingetragen wollten.

Was müssen wir also unseren Politikern, aber auch unserer Gesellschaft in das Aufgabenheft schreiben, damit Bayern ein Freistaat mit Zukunft bleibt?

Bayern muss einen Spitzenplatz bei der zentralen Herausforderung der Digitalisierung einnahmen. Dies gilt für die Industrie ebenso wie für die Verwaltung, die Medien oder auch für die Medizin. Selbst in einem relativ kleinen Krankenhaus wie in Weilheim kommt heute schon der „Kollege Roboter“ bei so sensiblen Themen wie Gelenkoperationen zum Einsatz.

Die Industrie stöhnt unter massivem Veränderungsdruck durch neue Wettbewerber, neue Produktionsmethoden und Handelskriege.

Themen wie die Raumfahrt (Bavaria ONE) werden von der Opposition, der Hauptstadtpresse und Kabarettisten eher neidvoll auf- und angegriffen. Wer sich aber einmal frei von Vorurteilen mit dem Raumfahrtzentrum in Oberpfaffenhofen oder den Experimentalsatelliten aus Würzburg beschäftigt, erkennt sehr schnell, dass dieses Thema längst in der Mitte von Wirtschaft und Gesellschaft in Bayern angekommen ist.Seit mehreren Jahren kreist der Experimentalsatellit UWE-3 um die Erde, und noch immer funktioniert der kleine Würfel mit einer Kantenlänge von gerade einmal zehn Zentimetern einwandfrei. Jetzt ist ihm sein Bruder UWE-4 ins All gefolgt.

Die Vernetzung von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ist heute international: Nicht nur Großprojekte wie das EU-Satellitennavigationssystem Galileo und das Erdbeobachtungssystem Kopernikus sind dafür ebenso Beispiel, wie der seinerzeit von Franz Josef Strauß initiierte Aufbau einer europäischen Flugzeugindustrie, heute AIRBUS.

 Wie können wir unseren Wohlstand erhalten?

Elementar wichtig für unseren Wohlstand und den Erhalt sozialen Friedens sind solide Staatsfinanzen. Vor diesem Hintergrund sind die umfangreichen Wahlversprechen aus dem Landtagswahlkampf durchaus kritisch zu sehen.

Die Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates Bayern, Prof. Dr. Angelika Nibler MdEP hat jüngst in einem Gespräch mit unserem Redakteur die Schritte aufgezählt, die erforderlich sind, damit Bayern auch in Zukunft seine Spitzenposition behaupten kann: den Binnenmarkt stärken, die Chancen der Digitalisierung nutzen, um Arbeitsplätze zu sichern, Cybersicherheit gewährleisten, Mobilität lokal in der Fläche, in den Ballungsräumen und grenzüberschreitend sichern sowie noch mehr Sensibilität für unsere Umwelt entwickeln.

Bei diesen Themen ist die Komplexität sehr hoch, so gibt es beispielsweise widerstrebende Interessen zwischen Mobilität und Naturschutz. Die Politik ist gefordert, trotzdem Lösungen zu präsentieren, die möglichst für alle Seiten verträgliche Kompromisse beinhalten.

In der „Weiß-Blauen Rundschau“ befassen wir uns nicht nur mit Themen aus den Feldern der Kultur und des Brauchtums, sondern greifen auch die aktuellen Themen aus Politik und Wirtschaft auf.

Den Blick nach vorne richten

Im letzten Heft haben wir über die Exkursion des Bayernbund-Kreisverbandes Weilheim-Schongau/Garmisch-Partenkirchen zum Luft- und Raumfahrtzentrum Oberpfaffenhofen berichtet. In der nächsten Ausgabe werden wir an Beispielen den Veränderungsdruck in der Automobilzulieferindustrie und das Spannungsfeld zwischen Tourismus und Naturschutz beschreiben.

 

Ein Roboterarm bei Fräsarbeiten: In einem Handwerksbetrieb aus Berlin arbeiten die Beschäftigten mit kollaborativen Robotern, kurz Cobots, zusammen, die eine Art dritter Arm für den Handwerker werden könnten.

Ein Rundgang auf der Internationalen Handwerksmesse in München zeigt, wie sehr die angesprochenen Themen uns längst im Alltag berühren.

Die Digitalisierung greift tief auch in das Handwerk hinein. Erste Anwendungen sind zum Beispiel Roboterarme bei der Holzbearbeitung oder Schokoladendekorationen aus dem 3D-Drucker.

 

 

 

 

 

 

 

Verleihung Green Product Award 2019 in der Halle B2.50G von links: Dipl.-Ing. Franz Xaver Peteranderl, Aufsichtsratsvorsitzender der GHM, Präsident der HWK München u. Oberbayern, Nils Bader – Green Product Award, Preisträger Stefan Siemers – Beck Fastener Group, Shi-Yen Wu – Digitaldesign of Art, Hsuan-Chu Chang Liao, Andreas Neubert und Jan Hartmann – Geschäftsführer Studio Hartensteiner GmbH und Dieter Dohr, Vorsitzender der Geschäftsführung der GHM. Foto: GHM

Nachhaltige Produkte waren auf dem Green Campus zu sehen: spülmaschinenfeste Kaffeebecher aus Kaffeesatz oder attraktive Handtaschen aus Blättern von Bananenstauden. Beides sinnvolle Produkte aus Abfällen.

Im Green Campus-Forum wurden viele inspirierende Ideen und Lösungen vorgestellt und diskutiert. Die Vorträge drehten sich um die Themen Bauen und Architektur. Es geht um nachhaltige Baulösungen, Wärmedämmung nach dem Zero-Waste Prinzip und der Verlängerung von Gebäudelebenszyklen durch nachhaltiges Wassermanagement

(Text und Fotos:  Fritz Lutzenberger)