(v.l.) Pfarrer Emanuel Hartmann, Artur Kolbe, Minister Bernd Sibler, Kreisvorsitzender Thomas Mittermeier, stv. Kreisvorsitzender Georg Wurm, Alt-OB Dieter Görlitz, Thomas Pfeffer, Alexander Schmid und 3. Bürgermeister Kurt Erndl

 

Der Bayernbund-Kreisverband Deggendorf lud Mitte März im Osterhofener Hotel Pirkl zu seiner Jahreshauptversammlung. Kreisvorsitzender Thomas Mittermeier konnte neben den zahlreich anwesenden Mitgliedern Staatsminister Bernd Sibler, Deggendorfs Alt-OB Dieter Görlitz, den 3. Bürgermeister Osterhofens Kurt Erndl sowie Pfarrer Emanuel Hartmann begrüßen.

Mittermeier eröffnete die Kreisversammlung mit dem Gedenken an Josef Schmid, der Anfang Januar plötzlich und unerwartet verstarb. Schmid war zuletzt stellvertretender Kreisvorsitzender und bis 2017 selbst Kreisvorsitzender des Bayernbundes Deggendorf. Thomas Mittermeier würdigte seinen Vorgänger als einen kameradschaftlichen Vereinskollegen, als einen Menschen des breiten Wissens und der unermüdlichen, hilfsbereiten Tatkraft. Schmid, so Mittermeier, sei nie ein Mann des stillen Abnickens gewesen, sondern immer ein kritischer Begleiter des Zeitgeschehens gewesen. In Zeiten, in denen vielen Menschen vermeintlich „egal“ sei, was geschieht, trat Josef Schmid für seine Standpunkte und die seiner Mitmenschen ein. Mittermeier blickte besonders auf die Zeit zurück, in der er von Schmid die Nachfolge als Bayernbund-Kreisvorsitzender angeboten bekam und viele Gespräche mit ihm vor und nach der Staffelübergabe die Arbeit an den Heimatthemen begleiteten. Der Bayernbund Deggendorf wird an seinen ehemaligen Vorsitzenden ein ehrliches wie dankbares Andenken bewahren. Man verlor nicht nur allein ein Mitglied, man entbehrt einen Freund und Kameraden.

Bernd Sibler dankte Mittermeier für die warmen Worte zu Josef Schmid und fügt vor seinem Grußwort einige persönliche Worte hinzu. Sibler berichtete im Anschluss aus seinen Monaten als Kultus- und nun als Wissenschafts- und Kulturminister. Sein Blick ging dabei insbesondere auf die Föderalismusfrage, die sich insbesondere seit dem Bildungspakt wieder stellt. Plakativ stellte Sibler die Frage, welchen Anspruch man aus den Ländern an den Föderalismus habe? Kann man oder will man selbst die eigenen Regelungsbereiche wie insbesondere die Bildung noch selbst gestalten? Es wäre die Selbstenteignung des Föderalismus gewesen, wenn man den Bildungspakt in seiner Urform akzeptiert hätte, so der Minister. Heute müsse man aus Ländersicht mehr denn je darauf achten, den eigenen Gestaltungsspielraum nicht zu Gunsten des Bundes zu verlieren. Dass dies ein gesundes finanzielles Wirtschaften erfordere, liege dabei auf der Hand. Heute sei es bereits schon so, dass sich die Länder gegen den Bund behaupten müssen. Die Frage des Föderalismus sei damit nicht nur eine politische Frage, sondern auch eine des Bayernbundes, der heute im Zeitalter des Auseinanderbrechens von Institutionen, dem in Frage stellen von Strukturen und großer Krisen, wie die der Kirchen, eine große Verantwortung in d

er Mitbestimmung des öffentlichen Diskurses habe.

Thomas Mittermeier unterstrich in seinem Tätigkeitsbericht die Standortbestimmung des Bayernbundes durch Sibler. Besonders in seiner Aufgabe als Landesjugendbeauftragter sehe er, dass der Bayernbund zunehmend aus der Rolle des Kultur- und Koloritvereins heraustrete und mehr noch als zuvor schon zu einem überparteilichen, heimat- und gesellschaftspolitisch kritischen Verein wird. Es bestehe in jeder, besonders aber in den jüngeren Generationen Gesprächsbedarf, so der Kreisvorsitzende, über die Probleme der Zeit: Was geschieht mit unserer Gesellschaft? Welche gesellschaftlichen Konventionen sind noch intakt, in Zeiten, in denen scheinbar alles erlaubt und alles möglich ist? Was ist die Zukunft unserer Sprache und unseres Dialekts? Wie geht man mit einer Medienlandschaft und gesellschaftlichen Gruppen um, die Hysterie und Hypes den Vorrang vor abgewogener, nüchterner Analyse geben? Mittermeier führte aus, dass es nicht immer bequem sei diese Fragen offen zu stellen, da der Mainstream diese wohl nicht aufwerfen, gar diskutieren wolle. Aus diesem Grund widmet sich der Bayernbund Deggendorf in seiner Arbeit weiterhin dem Thema der bayerischen Identität und deren heimatlichen Fundament. Im Jahr 2018 beleuchtete man mit Deggendorfs OB Christian Moser in der Veranstaltung „Heimat Deggendorf – Zukunft unserer Region“ das Thema der Regionalentwicklung sowie den Perspektiven von Stadt- und Land in der Region Ostbayern. Darüber hinaus war im Jubiläumsjahr des Freistaates die Revolution in Bayern ein besonderes Schwerpunktthema des Kreisverbandes zu dem Prof. Dr. Dieter J. Weiß von der LMU-München sprach. 2019 werde man am 31.05. mit der Reihe „Christ-Sein heute“ in der Abtei Niederaltaich fortfahren. Am 14.09. besucht der Vorsitzende des Bund Bairische Sprache, Sepp Obermeier, den Kreisverband. Schließlich wird am 16.11. die Veranstaltungsreihe „Heimat Deggendorf“ fortgesetzt. Geplant ist zudem eine Agrarveranstaltung mit dem Maschinenring, die 2017 entfallen musste.

Nach dem Rechenschaftsbericht des Kreisschatzmeisters Alexander Schmid und dem Bericht der Kassenprüfer Walter Spenger und Bernd Sibler wurde der Kreisvorstand einstimmig entlastet und es folgte die Nachwahl des stellvertretenden Kreisvorsitzenden. Mittermeier schlug der Versammlung als Kandidaten Georg Wurm aus Osterhofen vor. Wurm stellte sich selbst im Anschluss der Versammlung vor sowie seine breit aufgestellten ehrenamtlichen Tätigkeiten, unter anderem als 1. Vorsitzender der KLJB im Landkreis Deggendorf. Einstimmig wurde Georg Wurm zum neuen stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt. Mit Glückwünschen und Dank für die Bereitschaft im Kreisvorstand mitzuwirken schloss Mittermeier die Kreisversammlung 2019.