Von Studiendirektorin a.D. Anneliese Peltz

Vor genau 400 Jahren wurde die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt auf dem Hohenpeißenberg eingeweiht. Ursprünglich stand auf dem Berg seit 1514 nur eine kleine, bescheidene Kapelle mit einer Muttergottesstatue. Dieses spätgotische, geschnitzte Bildnis der Mutter Maria mit dem göttlichen Kind auf dem Schoß war ein Geschenk aus dem Stadtschloss in Schongau. Nachdem das Vieh eines Bauern aus Peiting aus einer Seuche gerettet wurde und auch andere Gebete erhört wurden, gewann die Muttergottesstatue sehr schnell den Ruf eines Gnadenbildes, und es kam zu einem regelrechten Ansturm der Wallfahrer.

Die Augustiner Chorherren im Kloster Rottenbuch beobachteten die Entwicklung mit großem Interesse, und sie bekamen im Jahr 1604 die Wallfahrtsseelsorge von Herzog Maximilian I. übertragen. Trotz einer Vergrößerung konnte die kleine Kapelle die vielen Pilger nicht mehr aufnehmen, und so entschloss sich Probst Georg Siesmair zu einem Neubau. Herzog Maximilian I. spendete den Bauplatz und im Jahr 1616 wurde mit dem großen Kirchenbau begonnen.

: Ausschnitt aus dem Deckenfresko der Gnadenkapelle von Matthäus Günther, dem wohl größten Kirchenfreskanten Bayerns, Süddeutschlands und Tirols in der Zeit nach 1740: „…ist das Hauptfresko ganz der örtlichen Wallfahrt gewidmet. Bemerkenswert ist, daß hier nun zum erstenmal nicht eine Heiligenlegende ausgestaltet wird …, sondern im Panorama die Landschaft des Hohenpeißenberg bis in alle Einzelheiten wiedergegeben und mit der Gründungsgeschichte seiner Wallfahrt verwoben erscheint.“ (Franz X. Schlagenberger: Matthäus Günther, Gundersheimer 1930) Foto: Fritz Lutzenberger

Die Gnadenkapelle – die Keimzelle der Wallfahrt – wurde in ihrem Bestand belassen und der Neubau mit Turm direkt östlich an die Kapelle angeschlossen. Dadurch entstand die ganz spezielle Form einer Doppelkirche. Mit den Maßen von 30 Metern Länge und neun Metern in Breite und Höhe, wurde es ein monumentaler Bau und der erste im Stil der ausgehenden Renaissance im Pfaffenwinkel. Der helle Raum erfreut durch seine feine Stuckdekoration aus Zierbändern von Perlstab und Herzlaub sowie kleinen, geflügelten Engelsköpfchen. Der Baumeister war möglicherweise der Weilheimer Hans Krumpper, Hofbaumeister in München, mit dem die Augustiner Chorherren in Kontakt standen.

Weitere große Weilheimer Künstler wurden mit der Innenausstattung beauftragt. So schuf der Bildhauer Bartholomäus Steinle die Altäre und die Pieta an der Nordwand des Langhauses. Die Bilder der Seitenaltäre, Kreuzigung und Auferstehung Christi, malte Elias Greither der Ältere. Die beeindruckende Emporenbrüstung und die Kanzel sind mit kunstvoller Intarsienarbeit aus verschiedenen Hölzern verziert.

Ursprünglich gab es nur eine Empore, von der aus eine Seitengalerie zur Kanzel führte. Am unteren Rand dieser Empore ist das Entstehungsdatum der Kirche schriftlich festgehalten: „Dies Gotshaus wardt von Grundt aus neu gepauen …… durch Georgium Siesmair, Probst und Erzpriester im Kloster zu Raitenbuech, anno MDCXIX, ……“. Die zweite Empore wurde erst im Jahr 1807 eingezogen. Dafür wurde die Seitengalerie abgebrochen und als Brüstung verwendet. Der herzogliche Hof beteiligte sich auch an der Ausstattung der Kirche: Maximilian I. stiftete den Hochaltar, sein Vater Wilhelm V. und sein Bruder Albrecht VI. die Seitenaltäre.

Das Pfarrhaus, ein kleines Stück östlich der Kirche erbaut, war zunächst durch eine Brücke mit der Kirche verbunden. Erst im Jahr 1678 wurde es vergrößert und, so wie es sich heute darstellt, mit der Kirche verbunden. Die Einweihung des prachtvollen Gebäudes fand im Jahr 1620 statt. Die Kirche wurde der Mutter Gottes geweiht und hat ihr Patrozinium am 15. August, an „Maria Himmelfahrt“.

Leider sollte das folgende Jahrhundert eine schwierige Zeit für die Gläubigen werden. Die Menschen litten im Dreißigjährigen Krieg und unter der gleichzeitig grassierenden Pest. Die Gnadenstätte wurde geplündert und es herrschte großes Elend. Aber gerade in diesen schweren Zeiten machten sich die gläubigen Menschen hilfesuchend zur Gnadenstätte auf. Als am Ende des 17. Jahrhunderts auch noch der Spanische Erbfolgekrieg Bayern erfasste, wurde das Gnadenbild zeitweilig nach München evakuiert und die Kirche war in einem desolaten Zustand.

Im Jahr 1705 kehrte das Gnadenbild zur großen Freude der Bevölkerung auf den Hohenpeißenberg zurück. Kurz darauf, im Jahr 1717, erhielt die Kirche mit den prachtvollen Barockaltären ihr heutiges Aussehen. Das große Altarbild zeigt die Aufnahme Marias in den Himmel und wurde von dem Rottenbucher Maler Matthias Pusjäger geschaffen. In die Seitenaltäre wurden die alten Bilder der Vorgängeraltäre eingearbeitet. Der ursprüngliche Altar von Bartholomäus Steinle wurde entfernt und stand bis in die 1880er Jahre in der Basilika zu Altenstadt. Einige Engelsfiguren von Steinle wurden in die neuen Seitenaltäre eingebaut. Die zentrale Muttergottesfigur des Steinle-Altars befindet sich heute im Bayerischen Nationalmuseum.

: Das Ziel der Pilger: die Muttergottesstatue in der Gnadenkapelle Foto: Anneliese Peltz

Mit dem 18. Jahrhundert begann die Blütezeit der Wallfahrt zu „Unserer lieben Frau“ und erreichte im hohen Rokoko Mitte des Jahrhunderts ein nie gekanntes Ausmaß. Bis zu 40.000 Menschen pilgerten jährlich auf den Berg und erbaten Rettung aus ihrer Not. Unzählige Votivgaben bezeugten eine Heilung oder Besserung der Notlage. Das Mirakelbuch von Pater Anselm Manhardt (1718) dokumentiert viele dieser Wunder.

Mit dem Zeitalter der Aufklärung und dem Vormarsch der Wissenschaften gegen Ende des Jahrhunderts verlor die Wallfahrt an Bedeutung und wurde gar verboten. Im Zuge der Säkularisation 1803 wurde die Kirche geschlossen und der Wallfahrt die Existenz beraubt. Die Kirchengebäude wurden zur Versteigerung und zum Abbruch ausgeschrieben. In dieser Zeit hatten nur Pfarrkirchen eine Daseinsberechtigung.

Es ist dem letzten Chorherrn Primus Koch zu verdanken, dass die Wallfahrtsstätte erhalten blieb. Durch seinen großen Einsatz wurde im Jahr 1805 eine eigene Pfarrei Hohenpeißenberg gegründet, und damit war die Kirche auf dem Berg gerettet. Nach dem Bau einer neuen Pfarrkirche am Fuß des Berges im Jahr 1961 erhielt Mariä Himmelfahrt nach mehr als ein und einem halben Jahrhundert die ursprüngliche Bestimmung als Wallfahrtskirche zurück.

Die traditionelle Wallfahrt des Lechgaus auf den Hohenpeißenberg musste in diesem Jahr leider entfallen. Foto: Christine Wölfle

Heute zieht die Kirche immer noch Wallfahrer und viele andere Besucher an. Ihre majestätische Lage und die würdevolle Ruhe und Schönheit im Inneren machen sie auch im 21. Jahrhundert noch zu einem beeindruckenden Kraftort.

(Fotos: Ulf Köhler DWD, Anneliese Peltz, Christine Wölfle, Fritz Lutzenberger)