Führt die lange andauernde Pandemie dazu, dass sich trotz der Angebote in Internet die Bindung junger Menschen an die Kirche lockert? Landesvorsitzender Sebastian Friesinger und WBR-Redakteur Fritz Lutzenberger sprachen darüber mit Domvikar Richard Greul, dem Diözesanjugendpfarrer von München und Freising.

Frage:

 

Sehr geehrter Herr Jugendpfarrer, Sie leiten das Erzbischöfliche Jugendamt München und Freising (EJA). Was dürfen wir uns vorstellen unter dem EJA und dem Bund der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ)?

 

Das Erzbischöfliche Jugendamt wurde von Erzbischof von Faulhaber 1938 gegründet. Es verantwortet die kirchliche Jugendarbeit. Das „KorbiniansHaus der kirchlichen Jugendarbeit“, ist die Zentrale, in allen Münchner Dekanaten und in jedem Landkreis der Erzdiözese gibt es Außenstelle, die Katholischen Jugendstellen.

 

Das Ziel ist, die überpfarrliche Jugendarbeit und die Jugendverbandarbeit zu unterstützen. Die Jugendarbeit stützt sich auf zwei Säulen, die amtliche und die verbandliche.

 

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in der Erzdiözese München und Freising vertritt rund 102.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Dem BDKJ München und Freising gehören neun Jugendverbände und Jugendorganisationen an. Wir vertreten als Spitzenverband im Bereich Jugendpolitik die gesamte katholische Jugendarbeit der Erzdiözese.

 

In den katholischen Jugendverbänden werden das Ehrenamt, das Prinzip der Freiwilligkeit und Demokratie großgeschrieben. Ziel unserer Jugendarbeit ist die Selbstfindung und -verwirklichung junger Menschen. Wir fördern die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und solidarisch zu handeln: Heute in der Jugendgruppe, morgen in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft vom christlichen Glauben geprägt und getragen.

 

 

 

Frage:

 

Täuscht der Eindruck, dass wir derzeit beim Blick in die Gottesdienste weniger junge Menschen sehen als vor der Pandemie?

 

Leider nein. Diese Entwicklung vollzieht sich bereits über eine längere Zeit, hat sich aber natürlich durch die Corona-Pandemie noch verstärkt. Corona wirkt wie ein Brennglas auch auf die Teilnahme an den Gottesdiensten. Die Gottesdienstzeiten widersprechen heute häufig der Lebensrealität der jungen Menschen. Die Gottesdienstzeiten sind für Jugendliche und jungen Erwachsene einfach zu früh.

 

Die kirchliche Jugendarbeit soll Orientierung geben und die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Glauben beheimaten. Wir wollen zum Beispiel über Jugendgottesdienste die jungen Gläubigen begeistern. Wir wollen ihnen eine ihr Leben bereichernde Alternative anbieten. Die große Frage ist, ob die Menschen in Zukunft wieder zurück in die Gemeinschaft der Gläubigen finden.

 

Frage:

 

Wie kann die Kirche junge Menschen in Corona-Zeiten erreichen?

 

Wir versuchen nicht erst seit der Pandemie den Kontakt zu halten und Angebote über die digitalen Medien zu machen. Wir spüren, dass das Bedürfnis für persönliche Treffen da ist, ja sogar wieder größer wird.

 

Ich möchte dies gerne mit einer Rückmeldung belegen, die uns in den letzten Tagen erreicht hat. Sehr eindrücklich hat die junge Frau ihre derzeitige Situation geschildert: Sie war begeistert, dass wir in der verbandlichen Jugendarbeit Gottesdienste in der Osterzeit über Meeting-Plattformen miteinander gefeiert haben. Aber sie sehnt sich jetzt wieder nach persönlicher Begegnung. Auch nach Geborgenheit, sie will wieder Teil einer realen Gemeinschaft sein, die sich nicht nur digital trifft, sondern die miteinander das Leben teilt.

„Das Bedürfnis, Menschen persönlich zu treffen, wird immer größer“.

 

In diesem Spannungsfeld steht derzeit kirchliche Jugendarbeit. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehnen sich nach persönlichen Treffen und die aktuelle Situation der Pandemie rät zu nur nötigen persönlichen Kontakten. Ein Spannungsfeld, dass sehr schwierig ist im Ausgleich zu halten.

 

 

Frage:

 

Welche Angebote gibt es für Jugendliche und junge Erwachsene?

 

Eines unserer Angebote sind zum Beispiel Gottesdienste, die im Internet gestreamt werden. Beim diesjährigen Gottesdienst zur Jugendkorbinianswallfahrt zum Motto „unerhört“ haben sich zahlreiche Gläubige eingeloggt. Für die Jugendkorbinianswallfahrt, die es seit 1942 gibt, war diese Online-Wallfahrt mit Festival eine Premiere. Aber auch über andere Impulse via Instagram und „Advent in der Tüte“, versuchen wir die Jugendlichen im Advent jugendgemäß zu begleiten.

 

 

Frage:

 

Ein besonderer Höhepunkt war bisher immer das Fest zu Ehren des Bistumspatrons des Heiligen Korbinian auf dem Freisinger Domberg. Sie mussten es in diesem Jahr aus den bekannten Gründen weitgehend in das Internet verlegen. Was haben Sie dabei angeboten?

 

Bedingt durch die Coronaauflagen war die Teilnehmerzahl an den Gottesdiensten leider begrenzt und deshalb nur gegen Voranmeldung für wenige junge Menschen möglich. Normalerweise ist bei Jugendkorbinian der Freisinger Dom voller junger Menschen. Heuer kamen vor allem junge Menschen aus der Region Freising zum Gottesdienst. Denen war es, durch den kurzen Heimweg möglich, auch am Online-Festival teilzunehmen.

 

Das anschließende Online-Jugend-Festival konnte im Internet verfolgt werden. In verschiedenen virtuellen Räumen wurde jugendgemäß das Thema „unerhört“ aufgegriffen und mit zahlreichen ansprechenden Methoden von den Jugendverbänden und Jugendstellen für die TeilnehmerInnen aufbereitet.

 

Die Videos sind abrufbar unter https://www.jugendkorbinian.de/gottesdienst

 

 

 

Frage:

Können Sie schon etwas zu den Erfahrungen sagen, die Sie damit gemacht haben?

 

Die Gottesdienste wurden teilweise auch in Kirchen übertragen. Dort haben JugendseelsorgerInnen und JugendreferentInnen sich mit jungen Menschen getroffen um gemeinsam, unter Einhaltung der Hygienekonzepte, den Gottesdienst mitzufeiern. Dabei konnten wir 7.000 Clicks für den Gottesdienst und 1.000 Clicks auf das Jugendfestival verzeichnen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person

Richard Greul, Jahrgang 1977, absolvierte nach seinem Qualifizierenden Hauptschulabschluss eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Kreis- und Stadtsparkasse Erding. Nach seinem Grundwehrdienst und einem weiteren Jahr in der Kreditabteilung besuchte er das Kolleg des Erzbischöflichen Spätberufenen Seminar St. Matthias in Waldram – Wolfratshausen. Nach dem Abitur studierte er in München und Freiburg im Breisgau katholische Theologie. 2009 wurde er zum Diakon geweiht und 2010 in Freising zum Priester. Nach seiner Kaplanszeit im Pfarrverband Holzland (Ldk. Erding) wurde er Landjugendpfarrer. 2017 wurde er zum BDKJ Diözesanpräses gewählt und von Erzbischof Marx zum Diözesanjugendpfarrer bestellt. 2019 wurde er von Kardinal Marx zum Domvikar ernannt.

 

 

Fragen gestellt von Fritz Lutzenberger (redaktion.wbr@bayernbund.de)

 

 

 

Bilder:

Vor dem Münchener KorbiniansHaus: (v.l.) Domvikar Richard Greul, Landesvorsitzender Sebastian Friesinger, Redakteur Fritz Lutzenberger

 

Diözesanjugendpfarrer Richard Greul im Gespräch