Bayern/Ruhpolding/Berchtesgaden/Tegernsee – Der Todestag von Ludwig Ganghofer jährt sich am 24. Juli zum 100. Mal. Er war ein bedeutender bairischer Schriftsteller und der Verein „Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau-Inn“ möchte aus diesem Anlass an ihn erinnern.

Geboren am 7. Juli 1855 in Kaufbeuren, wächst Ludwig Ganghofer als Sohn eines Försters an verschiedenen Orten in Bayern auf. Nach dem Abitur am Königlich-Bayerischen Gymnasium in Regensburg, im Jahr 1873 wollte er Techniker werden und arbeitete deshalb ein Jahr als Schlosser und Monteur in der Riedingerschen Maschinenfabrik in Augsburg. 1875-79 studierte er zuerst Maschinentechnik am Polytechnikum München, dann Literaturgeschichte und Philosophie an den Universitäten München, Berlin und Leipzig, wo er 1879 zum Dr. phil. promovierte. 1880 wird sein erstes Schauspiel „Der Herrgottschnitzer von Ammergau” am Münchner Gärtnerplatztheater aufgeführt, es wurde anschließend in  Berlin über hundert Mal gespielt und zu einem Riesenerfolg. Ganghofer arbeitete danach als Dramaturg am Wiener Ringtheater. 1882 heirate er dort sein Frau Katinka Engel und 1883 legt er mit dem „Jäger von Fall“ ein Romanmanuskript vor, das sich auf seinen eigenen Erlebnissen gründete. Der Roman wird zu einem Erfolg und er schreibt weitere Romane, wie z. B. „Der Klosterjäger“.

Der Schriftsteller arbeitet auch als Feuilletonist für das Wiener Tagblatt und ist zugleich Theaterrezensent. 1883 kommt die erste Tochter Lolo auf die Welt, 1890 werden die Zwillinge Sofie und Gustl geboren. Die Familie lebt vorwiegend in Wien, hält sich zeitweise in Ruhpolding und am Königssee auf  und zieht 1895 nach München.  Über seine Zeit in Ruhpolding ist einiges bekannt, dies ist u. a. dem Vorsitzenden des Historischen Vereins Ruhpolding, dem Altbürgermeister Herbert Ohl zu verdanken, der über den Aufenthalt Ganghofers Nachforschungen angestellt hat. So wissen wir, dass er in dem Gasthaus Seehaus an der Straße nach Reit im Winkl gewohnt hat, in dem auch schon vor ihm Franz von Kobell genächtigt hatte. Weiter ist bekannt, dass er an einer Auerhahnjagd in der Laubau teilgenommen, in der Traun nach Forellen und Äschen und im Löden-, Mitter- und Weitsee nach Hechten gefischt hat. In Seehaus hat er nicht nur literarische Inspirationen gefunden, sondern auch viel geschrieben.

Als die junge Familie einen Ausflug an den Königssee unternimmt ist es um den Schriftsteller geschehen: Von der „grandiosen und heiligleuchtenden Schönheit” des Königssees fasziniert, verlegt Ludwig Ganghofer sein Urlaubsdomizil unverzüglich an den Königssee. Die Sommer 1883 bis 1885 verbrachte er dort im Hotel Schiffmeister. Von diesem Zeitpunkt an spielte Berchtesgaden die zentrale Rolle in Ludwig Ganghofers Werk. Sein erster Berchtesgaden Roman war „Die Martinsklause”, der Motive der „Watzmann Sage“und die Geschichte Berchtesgadens als „Fürstpropstei“, also als eigenständiger Kleinstaat aufgreift. Insgesamt schrieb er sieben Berchtesgadener Romane. Ganghofer selbst nannte die Bücher seine sieben Watzmann-Kinder, sie heißen: „Die Martinsklause“, „Der Klosterjäger“, „Schloss Hubertus“, „Der Jäger von Fall“, „Edelweißkönig“, „Der Mann im Salz“ und „Der Ochsenkrieg“

Neben der einzigartigen Landschaft der schroffen Berchtesgadener Berge, greift Ganghofer in seinen Romanen immer wieder Motive der Berchtesgadener Geschichte auf, in „Der Mann im Salz” etwa die Salzgewinnung im Salzbergwerk Berchtesgaden und die Vertreibung der Protestanten aus Berchtesgaden.

Ganghofer war der Natur, den Menschen und dem Gebirge aufs engste verbunden. In seinen Romanen und Erzählungen geht es immer wieder um die Themen Jagd und Wilderei, Leben und Tod, Liebe und Intrigen, die Herrschaft des Adels und des Klerus auf der einen und die Rechtlosen und Unterprivilegierten auf der anderen Seite. Vor allem kommt immer wieder der leidenschaftliche Jäger in ihm durch, denn der Dreh- und Angelpunkt seiner Erzählungen ist immer wieder die Jagd. . Die Romane sind in einem gehobenen, feinen Schriftdeutsch geschrieben und die Dialoge der Einheimischen sind in einer reduzierten Dialektform gehalten, die auch nichtbayerischen, etwa preußischen Lesern, wie Wilhelm II, der Ganghofer sehr schätzte, verständlich war.

Die Literatur von Ludwig Ganghofer gilt allgemein als „Heimatliteratur“ Das Wort Heimat gehört zu den schönsten Wörtern der deutschen Sprache. Es ist zart und kraftvoll, es weckt Erinnerungen, böse und gute; es packt Herz und Seele. Es ist deshalb befremdlich, dass das Wort „Heimatliteratur” zu einem Unwort geworden ist. Der Begriff ist zwar nirgends definiert, er gilt aber allgemein als Sammelbezeichnung für Kitschiges, Verstaubtes und überholte Moralvorstellungen. Was die Moralvorstellungen betrifft, so läßt Ganghofer in seinem Roman „Der Jäger von Fall“ mit dem Dreiecksverhältnis seiner Romanfiguren Friedl, Modei und Blasi eine durchaus liberale Sittenauffassung zu. Dies weist auf die Ganghofer eigene liberale und tolerante Einstellung hin.  Auf Anraten von Ludwig Thoma erwirbt Ganghofer ein Haus in Tegernsee. Das Anwesen wird umgebaut, Ganghofer soll aber nur noch wenige Wochen dort verbringen. Am 24. Juli 1920 stirbt der erfolgreiche Autor. Sein Grab in Rottach-Egern befindet sich direkt neben dem von Ludwig Thoma.

Mit den Verfilmungen seiner Romane und den Aufführungen seiner Theaterstücke erreicht Ludwig Ganghofer noch lange nach seinem Tod ein breites Publikum. Mit 40 Millionen verkaufter Bücher und über 50 Verfilmungen ist er der Alpenkönig. Für alle Nachkriegskinder ist die Verfilmung des „Jägers von Fall“ von 1956 unvergessen. Der Ort Fall ist im Sylvenstein-Speicher untergegangen; dass er eine so traurige Geschichte erfahren würde, konnte Ganghofer damals nicht ahnen.

Foto:

Ludwig Ganghofer portätiert von Friedrich August von Kaulbach im Jahr 1908

 

 

hö/Rudi Mörtl, Verein Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau-Inn  –  www.sprache.bayern