Liebe Leserinnen und Leser der Weiß-Blauen Rundschau, liebe Bayernbundler!

„Das wunderbare Zeichen der Krippe, die dem christlichen Volk so sehr am Herzen liegt, weckt immer wieder neu Staunen und Verwunderung. Das Ereignis der Geburt Jesu darzustellen bedeutet, das Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes mit Einfachheit und Freude zu verkünden. Die Krippe ist in der Tat wie ein lebendiges Evangelium, das aus den Seiten der Heiligen Schrift hervortritt. Wenn wir über die Weihnachtsszene nachdenken, sind wir eingeladen, uns geistlich auf den Weg zu machen, uns anziehen zu lassen von der Demut des Einen, der Mensch wurde, um jedem Menschen zu begegnen. Und wir entdecken, dass er uns so sehr liebt, dass er sich mit uns vereint, damit auch wir uns mit ihm vereinen können.“

So beginnt Papst Franziskus das Schreiben „Admirabile signum“ vom 1. Advent 2019.

Ungewöhnlich für ein Papstschreiben befasst sich Franziskus mit der Weihnachtskrippe. Mit sehr innigen Worten unterstreicht der Papst seine Wertschätzung für diese Form der Glaubensvermittlung mit einem eigenen päpstlichen Schreiben.

Auch mich faszinieren Weihnachtskrippen seit Kindesbeinen an.

In den letzten beiden Jahren durfte ich an den Krippenbauschule in Garmisch-Partenkirchen an mehrtägigen Kursen teilnehmen und unter der Anleitung von Martin Königsdorfer mit meinen eigenen Händen meine inneren Bilder von Krippenkulissen umsetzen.

Dies waren zutiefst theologischer und spiritueller Tage und Stunden. Solche, im wahrsten Sinne, Lichtblicke haben Sie sicher auch schon beim Aufbau der eigenen Krippe zu Hause erlebt.

 

©Robert Kiderle Fotoagentur

In dieser Krippenbauzeit hat mich immer wieder ein Lied von Paul Gerhardt begleitet: „Ich steh an deiner Krippen hier“. Mit einem kleinen Augenzwinkern formte ich den Text zu „Ich steh an meiner Krippen hier“ um. In unserem Gotteslob ist leider nur eine kleine Strophenauswahl des fünfzehnstrophigen Originals abgedruckt.

Anno 2021 treffen diese poetischen Zeilen auf Leserinnen und Leser in bedrängten, pandemischen Zeiten. Passen diese romantisierenden Worte in die diesjährig erneut wirklich „stade“ Zeit?

Dietrich Bonhoeffer hat meinen Blickwinkel dafür etwas geweitet. Bonhoeffer, der den Advent 1943 als Häftling in seiner Zelle durchlebt und dabei auch dieses Lied von Paul Gerhardt meditiert. Von Bonhoeffer ist folgender Briefauszug überliefert: „Außerdem habe ich zum ersten Mal in diesen Tagen das Lied <Ich steh an deiner Krippen hier> für mich entdeckt. Ich hatte mir bisher nicht viel daraus gemacht. Man muss wohl lange allein sein und es meditierend lesen, um es aufnehmen zu können. Es ist in jedem Worte ganz außerordentlich gefüllt und schön. Ein klein wenig mönchisch-mystisch ist es, aber doch gerade nur so viel, wie es berechtigt ist; es gibt eben neben dem Wir doch auch ein Ich und Christus! …“

Zwei Gedanken möchte ich aufgreifen und kurz entfalten.

  1. Man muss wohl lange allein sein

Alleinsein verändert. Durch die Infektionsschutzmaßnahmen waren und sind viele isoliert und allein. Von einem auf den anderen Tag änderte sich die Lebenssituation. Wir haben deutlich zu spüren bekommen, dass dieses Alleinsein Folgen hat. Und dieses Alleinsein hat bei vielen nicht nur den Blick verändert. Wie wohltuend waren doch schon so kleine Gesten wie Anrufe, Nachbarschaftshilfen, Begegnungen auf Video-Plattformen, Musiker die vom Balkon musizieren oder auch Online-Gottesdienstformate. Noch vor gar nicht so langer Zeit unvorstellbar waren diese Dinge nun zu akzeptierten Hilfsmitteln geworden. Nehmen wir einiges von diesen Veränderungen mit in die Zukunft. Gemäß dem Motto: Prüft alles und behaltet das Gute!

 

  1. Es gibt eben neben dem Wir doch auch ein Ich und Christus!

Auch das Wir kann ohne Ich und ohne Christus nicht existieren. Ich muss mich bewegen damit ein Wir zustande kommt. Bewegen nicht in Form zusätzlicher Kontaktsituationen ist hier gemeint. Nein – bewegen im Sinne von etwas bewegen, am gleichen Strang ziehen. Dann können wir auf Christi Beistand hoffen. Ein kleines Mosaiksteinchen kann da Ihre persönliche Entscheidung zur Impfung sein, zu der ich Sie ermutigen möchte.

 

Eine nichtabgedruckte Strophe war mir im Nachklang der Krippenbaukurse besonders nahe:

„Eins aber, hoff ich, wirst du mir,

mein Heiland, nicht versagen:

dass ich dich möge für und für

in, bei und an mir tragen.

So lass mich doch dein Kripplein sein;

komm, komm und lege bei mir ein

dich und all deine Freuden.“

©Robert Kiderle Fotoagentur

Ich wünsche Ihnen von ganzen Herzen gesegnete und frohmachende Weihnachten! Kommen Sie gesund ins und durchs neue Jahr. Möge das Geheimnis der Geburt unseres Herrn in, bei und an Ihnen geschehen.

Mit Papst Franziskus möchte ich auch enden. Er findet einen gebetsähnlichen Abschluss seines Schreibens, wenn er formuliert: „Liebe Brüder und Schwestern, die Krippe ist ein Teil des schönen und anspruchsvollen Prozesses der Glaubensweitergabe. Von Kindheit an erzieht sie uns in jedem Alter dazu, Jesus zu betrachten, die Liebe Gottes zu uns zu spüren; zu fühlen und zu glauben, dass Gott bei uns ist und wir bei ihm und dass dank dieses Kindes, des Sohnes Gottes und der Jungfrau Maria, wir alle Kinder und Geschwister sind. Und zu spüren, dass darin das Glück liegt. In der Schule des heiligen Franziskus wollen wir unsere Herzen dieser einfachen Gnade öffnen; lassen wir zu, dass aus dem Staunen ein demütiges Gebet erwächst: unser „Danke“ an Gott, der alles mit uns teilen wollte, um uns nie allein zu lassen.“

 

Ein frohes Weihnachtsfest und Gottes Segen für das neue Jahr!

Ihr Weihbischof Wolfgang Bischof

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