„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen seines Wohlgefallens.“

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen seines Wohlgefallens.“ Jahr für Jahr hören wir diese Botschaft im Evangelium der Heiligen Nacht. Doch angesichts der Trümmerfelder in der Ukraine, in Israel und den vielen weiteren Kriegs- und Krisenherden dieser Erde klingt diese Friedensbotschaft allenfalls nach einem frommen Wunsch.

Die Hoffnung auf Frieden ist eine Sehnsucht, die Menschen auf der ganzen Welt verbindet. Doch was ist mit diesem, von den Engeln vielbesungenen Frieden gemeint? Herrscht Friede schon da, wo es keinen Krieg gibt?

Ehrlich gesagt: In der Zeit, in der wir heute leben, wäre ich schon froh, wenn wir wenigstens solchen Frieden hätten. Aber der Friede, von dem die Bibel spricht, meint noch viel mehr. Das Wort für „Frieden“ zur Zeit Jesu war „Schalom“. Schalom meint nicht weniger als einen umfassenden Zustand von Heil und Wohlergehen in jeglicher Hinsicht. Es meint, dass ich innerlich ruhig und gelassen sein kann, weil alles in Ordnung ist. Es herrscht in jeder Hinsicht Harmonie: Es gibt keinen Streit zwischen Menschen. Das soziale Miteinander ist in Ordnung. Niemand wird unterdrückt oder ausgebeutet. Sogar die Natur ist intakt: Sonne und Regen kommen zur rechten Zeit, sodass die Pflanzen ihre Früchte und der Ackerboden Nahrung im Überfluss hervorbringen kann.

Die Bibel kennt dafür wunderbare Bilder. „Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen“, heißt es in Psalm 85. Der Psalm beschreibt den Frieden dann so: „Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich. Treue sprosst aus der Erde hervor; Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder. Ja, der HERR gibt Gutes und unser Land gibt seinen Ertrag.

Diesen umfassenden Frieden hat Gott den Menschen zugedacht. Schalom! Und danach sehne ich mich, nicht nur zur Weihnachtszeit. Doch wenn ich mit offenen Augen durch die Welt gehe, verlässt mich schon mal diese Hoffnung.

Denn auch heute, 2000 Jahre nach der Geburt Jesu, ist die Welt voller Krieg und Zerwürfnisse. Es scheint, als wären die Dinge aus dem Gleichgewicht geraten. Das soziale Gefüge funktioniert an vielen Stellen nicht. Die Reichen werden immer reicher, die Armen ärmer. Streit, Hetze und Misstrauen bestimmen viel zu oft den Umgangston, sowohl virtuell als auch in der realen Welt. Von einem harmonischen Miteinander von Mensch und Natur kann ohnehin keine Rede mehr sein. Wie können die Engel in der Weihnachtsbotschaft angesichts dieser Zustände von Frieden reden?

Für mich ist eine wichtige Erkenntnis: Die Weihnachtsgeschichte verkündet nicht einfach nur den Frieden. Sie weist vielmehr einen Weg, wie es auf Erden Frieden werden kann. „Ehre sei Gott in der Höhe“ und man könnte jetzt anfügen: „und dann wird Friede sein bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ Die Verherrlichung Gottes als Wegbereiter des Friedens! Wenn ich Gott aus ganzem Herzen und mit aller Kraft meiner Seele verherrliche und verehre, wird Friede daraus erwachsen.

 

Diese Verherrlichung Gottes geschieht in der Anbetung und im konkreten Werk der Nächstenliebe. „Jeder ist seines Glückes Schmied“, sagt ein Sprichwort. Ob man nun Glück selbst schmieden kann, sei dahingestellt. Wohl aber würde dieses Wort auf den Frieden zutreffen: „Jeder und jede ist des Friedens Schmied!“ Damit es Frieden geben kann, braucht es das konkrete Anpacken und Einstehen dafür; ist dieser Beitrag auch noch so klein. „Frieden kannst du nur haben, wenn du ihn gibst.“ Wir können die Verantwortung für den Frieden in der Welt nicht allein auf Gott oder andere Menschen abschieben. Jeder, der den Frieden einfordert und wünscht, muss auch bereit sein, sich für den Frieden einzusetzen; muss bereit sein, Frieden zu geben.

Was aus dem Gleichgewicht geraten ist, soll wieder ins Lot gebracht werden. Deshalb sind jene, die am Rand stehen, die man ausbeutet und unterdrückt, in die Mitte zu stellen. Menschen wie Josef und Maria, die von den kaiserlichen Steuereintreibern quer durchs Land gehetzt werden. Sie stehen im Zentrum der Geschichte Gottes; ihnen wird Aufmerksamkeit geschenkt. Hirten, die sonst die niedersten Arbeiten verrichten müssen, sind die ersten, die als Ehrengäste zu Jesus kommen. Und die weisen Männer aus dem Osten – man nennt sie auch „Die heiligen drei Könige“ – teilen ihren Reichtum mit dem Kind der Armen. Mehr noch: Sie verehren es wie einen König.

(Foto: Pfarrverband Rottenbuch) Das Besondere an der Krippe ist neben ihrer Größe und imposanten Erscheinung, dass ein Teil der Figuren aus dem 19. Jahrhundert und ein Teil nachgeschnitzt wurde, also aus unseren Tagen stammt. Die Figuren sind teilweise beweglich, sodass es möglich ist, dass sie immer wieder verschiedene Haltungen einnehmen können. So z.B. reiten anfangs die Könige auf den Tieren daher und knien dann an Epiphanie vor dem göttlichen Kinde nieder.

Wenn Sie heute in die Geburtskirche nach Bethlehem pilgern, sehen sie an der Stelle, wo die Krippe einst stand, einen Stein: Den Geburtsstein. Darauf ist ein silberner Stern mit 14 Zacken, darüber die brennenden Laternen. Paradoxerweise war dieser Stern mit ein Auslöser des Krim-Krieges von 1853. Das zeigt, wie zerbrechlich der Friede auf Erden nun einmal ist; damals wie heute!

Zum Kirchweihfest dieses Jahres wurde in unserer Pfarrkirche Mariä Geburt in Rottenbuch ein neuer Altar aufgestellt und durch Hwst. H. Erzbischof Reinhard Marx feierlich geweiht. Während der beeindruckenden Liturgie kam mir der Gedanke, dass ein jeder Altarstein auch Geburtsstein Jesu Christi sein kann. So wird der Altar zur Krippe. Selbst wenn Jesus nicht in menschlicher Gestalt erscheint, so doch im Zeichen des Brotes in der Eucharistie. Bei der Weihe wurden an fünf Stellen des Altares (sinnbildlich für die 5 Wundmale) Weihrauchfeuer entzündet. Aus den Wundmalen lodert ein Feuer hervor, ein Licht der Hoffnung und des Friedens.

„Einer muss den Frieden beginnen, wie den Krieg“, sagte einmal der Schriftsteller Stefan Zweig. Gott hat mit dem Frieden begonnen. Doch leider wollen nicht alle Menschen diesen Frieden. Manchmal genügt ein einzelner, um Krieg und Verderben über die Erde zu bringen. Aber auch jeder einzelne kann damit beginnen, den Unfrieden, Streit, Hass und Krieg zu beenden. Jeden Tag aufs Neue. „Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren.“ (Phil. 4,7) In diesem Sinne: Schalom!

Ihr Pfarrer Josef Fegg

(Foto: Pfarrverband Rottenbuch) Mit Wirkung vom 1. November 2019 hat Erzbischof Reinhard Kardinal Marx den vorher als Pfarradministrator tätigen Josef Fegg zum Pfarrer ernannt. Damit sind der Pfarrverband Rottenbuch und der Pfaffenwinkel seine dienstliche Heimat geworden. Seine ursprüngliche Heimat ist der Rupertiwinkel. Dort besuchte er – in Tracht und als Trachtler – das große Gaufest des Gauverbandes I in Teisendorf. (v.l.): BTV-Ehrenlandesvorsitzender Max Bertl, Pfarrer Josef Fegg, Ehrenvorstand Peter Eicher, Bayernbund-Landesvorsitzender Sebastian Friesinger.

#Weihnachten #EhreseiGott #Bayernbund #Rottenbuch #Altarweihe #PfarrerFegg #Bayern